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Stadtgesichter: Stadtarchiv mit Regina Brischle

- 29.04.2026 - 

Spuren der Geschichte

Stadtgeschichte sni Wer im Stadtarchiv arbeitet, beschäftigt sich nicht nur mit der Vergangenheit, sondern trifft auch Entscheidungen für die Zukunft. Genau das reizt Regina Brischle, Leiterin Stadtarchiv, besonders an ihrer Tätigkeit.

Regina Brischle im Archiv.

"Im Stadtarchiv Offenburg zeigt sich die Geschichte der Stadt in einer beeindruckenden Vielfalt", so Brischle. Besonders häufig drehen sich Anfragen um die neuere und neueste Geschichte – vor allem um die Zeit des Nationalsozialismus. Themen wie NS-Unrecht, die Verfolgung jüdischer Mitbürger*innen, Zwangsarbeit oder Kriegsgefangenschaft sind bis heute Gegenstand intensiver Forschung.

Immer wieder kommt es vor, dass sich Nachfahren aus aller Welt melden, häufig aus der Enkelgeneration, die das Schicksal ihrer Angehörigen aufklären möchten. Diese Kontakte führen nicht nur zu bewegenden Momenten, sondern bereichern auch das Archiv selbst. „Dieser Austausch sorgt regelmäßig für Gänsehaut-Momente“, erzählt sie. Immer wieder gelangen so private Dokumente, Fotos und Berichte ins Archiv und erweitern das Wissen über die Stadtgeschichte.

"Ich habe mich schon immer für Kunst, Kultur und Geschichte interessiert und diesen Weg auch im Studium verfolgt", erzählt die Stadtarchivleiterin. Heute gehört es zu ihren zentralen Aufgaben, zu entscheiden, welche Unterlagen dauerhaft aufbewahrt werden. „Ich muss heute für die Zukunft entscheiden, was aufzubewahren ist“, sagt sie.

Viele Lieblinge

Ein einzelnes Lieblingsdokument kann sie dabei nicht benennen – zu groß ist die Bandbreite der historischen Zeugnisse. Sie reicht von der St.-Andreas-Urkunde aus dem Jahr 1310 über Berichte zum Stadtbrand von 1689 bis hin zu einem Plakat des Sunrise-Festivals mit Bob Marley aus dem Jahr 1976. Auch in den Aktenbeständen finden sich immer wieder überraschende Inhalte, die oft erst auf den zweiten Blick entdeckt werden.

Eine zunehmend wichtige Rolle spielt die Digitalisierung. Dabei geht es nicht nur um den Zugang zu Informationen, sondern vor allem um deren langfristige Sicherung. Digitale Daten müssen so gespeichert werden, dass sie auch in vielen Jahren noch lesbar sind. Diese Aufgabe betrifft die gesamte Verwaltung. Gleichzeitig gilt: Nicht alles muss digitalisiert werden. Historische Originale aus Papier oder Pergament sind oft über Jahrhunderte hinweg stabil und müssen nicht zwingend in ein digitales Format übertragen werden.

Die Arbeit im Archiv vereint für Brischle zwei Bereiche: die kulturelle Vermittlung und die rechtliche Pflicht. Während Ausstellungen, Führungen oder Publikationen die Geschichte lebendig machen, sorgt die Archivierung dafür, dass Verwaltungshandeln nachvollziehbar bleibt. „Es geht um Nachvollziehbarkeit, Transparenz und Rechtssicherheit“, erklärt sie. Was viele nicht wissen: Unterlagen dürfen nicht einfach vernichtet werden. Sie müssen zunächst dem Archiv angeboten werden, das entscheidet, ob sie dauerhaft aufbewahrt werden.

So ist das Stadtarchiv nicht nur ein Ort der Erinnerung, sondern auch ein wichtiger Bestandteil einer funktionierenden Verwaltung – und eine Brücke zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Für Fragen zu Dokumenten des Stadtarchivs: Telefon 0781/82-2341 oder E-Mail an stadtarchiv@offenburg.de, Webseite: www.stadtarchiv-offenburg.de.