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Innenministerium genehmigte bislang für drei Gemeinden im Ortenaukreis Zusatzbezeichnungen

- 21.05.2026 - 

Das Sahnehäubchen

Was haben Ettenheim, Gutach und Renchen gemeinsam? Ihre Ortsschilder schmücken sich mit Zusatzbezeichnungen. Demnächst könnte Offenburg dazukommen. Im Juli entscheidet der Gemeinderat darüber, ob die Kinzigstadt den Zusatz "Freiheitsstadt" oder "Freiheitsstadt 1847" erhalten soll.

Klare Sache: Ettenheim ist Barockstadt.

In Baden-Württemberg sind es rund 130 Gemeinden, die eine Zusatzbezeichnung tragen. Da gibt es die Ipfmessstadt für den Ortsteil Bopfingen, die Inselgemeinde für Ilvesheim oder auch die Zähringerstadt für Neuenburg am Rhein. In der Ortenau nennt sich Ettenheim "Barockstadt", Renchen "Grimmelshausenstadt" und Gutach "Bollenhutgemeinde".

Zusatzbezeichnungen können auf der geschichtlichen Vergangenheit, der Eigenart oder der heutigen Bedeutung der Gemeinde beruhen. Zusatzbezeichnungen enthalten eine charakterisierende Aussage über den Status, die Eigenart oder die Funktion einer Gemeinde oder eines Ortsteils in gegenwärtiger oder historischer Hinsicht. Am 2. Dezember 2020 hatte der Landtag von Baden-Württemberg auf Initiative von Innenminister Thomas Strobl eine Änderung der Gemeindeordnung beschlossen, mit der die bislang zurückhaltende Praxis im Bereich der Zusatzbezeichnungen gelockert wurde.

Von besonderer Bedeutung ist insofern jeweils das eigene Selbstverständnis der Gemeinde oder des Ortsteils und der Bevölkerung im Hinblick auf die Zusatzbezeichnung als identitätsstiftendes Element für die örtliche Gemeinschaft. Örtliche Besonderheiten, geschichtliche Bezüge und Alleinstellungsmerkmale einer Gemeinde oder eines Ortsteils können mit einer entsprechenden Bezeichnung deutlicher hervorgehoben werden. Insbesondere kann eine Zusatzbezeichnung auf den Ortstafeln an den Ortseingängen geführt werden.

Eine Zusatzbezeichnung kann über einen Gemeinderatsbeschluss mit qualifizierter Mehrheit von drei Vierteln der Stimmen aller Mitglieder beantragt werden. Dieses Quorum soll sicherstellen, dass sich der Wunsch der Gemeinde nach der Bestimmung oder Änderung einer Zusatzbezeichnung auf ein breites demokratisches Fundament und damit auch auf entsprechenden Rückhalt in der Bevölkerung stützt. Die Bestimmung oder Änderung einer Zusatzbezeichnung bedarf der Genehmigung des Innenministeriums.

Ettenheim: Barockstadt

Ettenheim wird als "Barockstadt" bezeichnet, weil die Stadt einen bemerkenswert gut erhaltenen, historischen Stadtkern aus der Barockzeit besitzt, der im Zweiten Weltkrieg weitgehend verschont blieb. Seit dem 1. Oktober 2022 ist dies der offizielle Namenszusatz der Stadt. Hauptgründe für den Titel sind die historische Bausubstanz: Die Stadt, deren Wurzeln über 1200 Jahre zurückreichen, erlebte ihre kulturelle und bauliche Blütezeit im Barock. Erhaltenes Stadtbild: Die Kernstadt bewahrte den ursprünglichen Charakter der barocken Bauweise, was Ettenheim zu einem besonderen Beispiel für einen kulturhistorischen Stadttyp macht. Architektur: Die Stadt ist geprägt von charmanten Gassen, barocken Gebäuden und einer einheitlichen Architektur, die typisch für diese Epoche ist.

Gutach: Bollenhutgemeinde

Gutach ist stolz auf den Bollenhut. Der Strohhut gehört seit etwa 1800 zur Tracht der evangelischen Frauen in den drei benachbarten Schwarzwalddörfern Gutach, Wolfach-Kirnbach und Hornberg-Reichenbach. Gerade der schöne rote Hut der ledigen Frauen ist eines der bekanntesten Symbole des Schwarzwaldes. Anlässlich des 750. Jubiläums im vergangenen Jahr wurde es offiziell: Die Gemeinde Gutach darf sich "Bollenhutgemeinde" nennen. Für Bürgermeister Siegfried Eckert steht fest: „Die Genehmigung der Zusatzbezeichnung 'Bollenhutgemeinde' ist für mich das Sahnehäubchen im zu Ende gehenden Jubiläumsjahr.“ Der Bollenhut entwickelte sich im Zusammenhang mit der Strohflechterei und dem Aufkommen der Strohhüte. Aus einer Anweisung der herzoglich-württembergischen Kanzlei von 1797 geht hervor, dass auf die Strohhüte die „übliche Dekoration von schwarzer und roter Farbe“ aufzutragen sei. Dem Aufmalen der schwarzen und roten Kreisflächen folgte bald das Aufnähen von Wollrosen, die im Laufe des 19. Jahrhunderts immer größer wurden. Mit dem allgemeinen Wandel der Lebens- und Arbeitswelt seit der Bismarck-Ära wurde die Tracht immer weniger getragen. Im Gegensatz zu anderen Trachtengebieten blieb sie allerdings in Gutach durchgehend erhalten.

Renchen: Grimmelshausenstadt

Die Stadt Renchen verdankt den Beinamen "Grimmelshausenstadt" ihrem ehemaligen Schultheißen und größten deutschen Barockdichter Johann Jacob Christoph von Grimmelshausen (ca. 1621 bis 1676).

Während der Zeit des Dreißigjährigen Krieges kam er auf mehreren Stationen ins Badische. Im Jahre 1648 heiratete er in Offenburg. Dort arbeitete er als Schaffner bei dem Adelsgeschlecht der von Schauenburg sowie an der Ullenburg bei Tiergarten. Nach seiner Tätigkeit als Gastwirt im „Silbernen Stern“ zu Gaisbach wurde er 1667 Schultheiß in Renchen. Seine Amtszeit war von mancherlei Schwierigkeiten durchzogen. Gleichzeitig war es der Höhepunkt seines literarischen Schaffens. Die Erstausgabe seines bedeutendsten Werkes „Der Abentheuerliche Simplicissimus Teutsch“ erschien 1668 nach seinem ersten Amtsjahr in Renchen. Im Folgenden verfasste er die Schriften „Courasche“, „Springinsfeld“ und „Wunderbarliches Vogelnest“. Grimmelshausen starb 1676 während des Kriegsdienstes und geriet zunächst in Vergessenheit. Erst 200 Jahre später wurden seine Werke wieder bekannt.

Der Barockdichter grüßt in der nachihm benannten Grimmelshausen-stadt Renchen.

Vielfältiges Erbe

An Johann Jacob von Grimmelshausen wird in Renchen an vielen Stellen erinnert: das im Jahr 1998 eingeweihte Simplicissimus-Haus, die 1977 von Giacomo Manzù geschaffene Grimmelshausenstatue aus Bronze auf dem Rathausplatz, der blaue Mummelseebrunnen und die bronzene Fabeltierskulptur. Das vielfältige Erbe wird durch die Stiftung Grimmelshausenarchiv und dem Verein Grimmelshausenfreunde e.V., der Träger des Simplicissimus-Hauses ist, bewahrt und gepflegt.